Nichts außer Fachwissen
Presseartikel
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Ein Landwirt aus Nordrhein-Westfalen beschickt seinen Fermenter bereits seit mehreren Monaten mit Pferdemist. Ursprünglich war seine Anlage auf Mais und Gülle ausgerichtet. Dem Mais bleibt er treu, doch den Pferdemist erhält er von seinen Nachbarn kostenlos. Das ist besser als für Gülle zu bezahlen.
Es ist alles in Ordnung, denkt sich der Energiewirt, schließlich läuft sein BHKW weiter auf Hochtouren, obwohl er mehr in den Fermenter speist als geplant. Nach weiteren Wochen wird er allerdings skeptisch. Der Besorgte ruft den Berater Timo Herfter aus Buchen, Baden Württemberg, an. Als dieser auf den Hof kommt und sich die Situation anschaut, steht sein Urteil fest: „Den Pferdemist sofort weglassen.“
Der Pferdeapfel mit seiner hohen Trockensubstanz macht der Anlage massiv zu schaffen. Hefter greift rechtzeitig von dem Verlanden ein und macht dem Landwirt klar, dass seine einstufige Anlage mit ihren speziellen Pump- und Rührsystemen am besten mit flüssigeren Einsatzstoffen agiert. Zwar schien der günstige Pferdemist lukrativ, doch das Anlagendesign kam mit dem neuen Inputstoff nicht zurecht. In diesem Fall zum Glück ohne weiteren wirtschaftlichen Folgen.
Wie das Beispiel aus der Praxis zeigt, gibt es handfeste Gründe, warum Betreiber einen Berater aufsuchen. Viele Biogasanlagen haben in diesen Tagen mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Einigen Medienberichten zufolge sprechen Branchenkenner von
30 % der Anlagen, die in den roten Zahlen dümpeln. Allerdings ist die Angabe keinesfalls verifiziert, sondern nur eine Einschätzung. Die Ursachen für die Probleme sind dafür eindeutig:
Grundsätzlich hat sich das Bild des Biogasberaters in den vergangenen Jahren verändert. Vor fünf bis sechs Jahren prüften Berater noch die biologischen Prozesse, heute stehen Ökonomie, Technik und Anlagensicherheit auf dem Wunschzettel der Beratenden. Diese Entwicklung blieb auch Toni Baumann nicht verborgen. Der „Sachverständige für Biogasanlagen“ aus Schwandorf, Baden Württemberg, berät seit 2004 Anlagenbetreiber in der gesamten Republik. „Die Tätigkeiten des Beraters haben sich völlig gewandelt. Früher kam es häufiger vor, dass Biogasanlagen etwa wegen Übersäuerung abgestürzt sind. Das haben die Betreiber jetzt im Griff. Das liegt auch daran, weil Fachleute für Spurenelemente ihre Kunden gut beraten und betreuen.“ Zudem sei das Grundwissen der Betreiber massiv gestiegen.
Trotz dieser positiven Entwicklung wirft die Komplexität der Biogasproduktion immer wieder Fragen auf. Wenn die Biologie stimmt, heißt das noch lange nicht, dass auch das Betriebsergebnis positiv ausfällt. Den Rat eines Experten einzuholen, scheint eine plausible Lösung zu sein. Doch woran kann der Anlagenbetreiber erkennen, dass er es mit einem seriösen Berater zu tun hat?
Aus der Sicht von Toni Baumann ist das wichtigste Kriterium eines kompetenten Beraters die Unabhängigkeit. „Seriöse Beratung will nichts anderes verkaufen als Know-how.“ Er warnt vor vermeintlichen Experten, die für jedes Problem bereits das passende Produkt präsentieren. Timo Herfter, Geschäftsführer der BSG Biogas Service GmbH, bezeichnet die Erfahrung als größtes Aushängeschild eines Beraters. „Es hilft nichts, aus der Literatur Normzahlen zitieren zu können. Entscheidend ist eine Beratung, die auf Praxiserfahrungen beruht.“ Nach Aussagen von Markus Nass, der im Namen der ABO Wind Betriebs GmbH berät, können Betreiber Professionalität bereits bei der ersten Anlagenbesichtigung erkennen. Huscht der Berater alleine über die Anlage, ohne die Erfahrungen des Betreibers einzuholen, sei dies ein Indiz für schlechte Praxis.
Toni Baumann nennt noch ein weiteres Kriterium, woran sich Kompetenz ablesen lässt: „Ein Berater muss sich schnell überflüssig machen. Ist der Fehler behoben, ist die Arbeit des Beraters erledigt“.
Markus Nass kann dieser Einschätzung nur bedingt zustimmen. Bei seinem Angebot sei es nichts Ungewöhnliches, einen Beratervertrag auch über einen längeren Zeitraum – etwa ein Jahr – abzuschließen. „Es hängt immer sehr stark vom Fachwissen des Betreibers ab. Sind die Probleme beim Anlagenmanagement zu bedrohlich, ist eine fachliche Begleitung über mehrere Wochen sinnvoll.“
Wie auch immer ein Beratungspaket aussehen mag, die Einschätzungen von Berufskollegen spielen bei der richtigen Auswahl des Beraters ebenfalls eine zentrale Rolle. Nichts schafft mehr Vertrauen als positive Referenzen eines geschätzten Kollegen. Sollte es diesen Energiewirt im Bekanntenkreis nicht geben, können Berater Adressen von Referenzkunden in vielen Fällen sicherlich aushändigen.
Doch nicht nur ein fachkundiger Berater ist für eine erfolgreiche Optimierung verantwortlich. Auch der Energiewirt selbst steht in der Verpflichtung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Das bedeutet vor allem eins: ehrlich sein.
Berater Baumann weiß, wie schwierig eine Situation manchmal sein kann, gerade, wenn es um eine Anlage nicht gut bestellt ist. „Wer gesteht sich schon gerne ein, dass er sein Geld in die falsche Technik investiert hat – besonders bei so hohen Summen wie im Biogasbereich.“ Betreiber, die sich bereits vor der Planung ihrer Anlage mit der Materie vertraut gemacht haben, laufen weniger Gefahr, falsch zu investieren.
Timo Herfter sieht eine große Kluft zwischen Betreibern, die ihr Handwerk verstünden und denjenigen, die nicht einmal wissen, wie hoch die Temperatur im Fermenter ihrer Anlage sei. Doch aus seinen persönlichen Erfahrungen erkennt er einen Trend zum Positiven: „In den vergangenen zwei Jahren habe ich den Eindruck, dass sich neue Betreiber im Vorfeld sehr stark mit Biogas auseinandergesetzt haben. Vor fünf Jahren wurden Anlagen oft noch blind gebaut, weil die Investoren davon ausgingen, dass es sich schon rentieren würde.“
Ob Profi oder unbeschriebenes Blatt: Die Herangehensweise der Berater erfolgt systematisch. Markus Nass beginnt mit dem Biogas Master-Check von ABO Wind vor Ort und prüft zunächst die wichtigsten Anlagenkomponenten. Das Unternehmen Nest Anlagenbau GmbH bietet ebenfalls Beratungen für Betreiber an. Hier beginnt der Prozess für den Betreiber mit dem Ausfüllen eines Betriebsfragebogens und dem Zusenden des Umweltgutachtens.
Die Beraterfirma Biogas Eco Tec wiederum startet ihren Auftrag mit einer Zielvereinbarung. Gemeinsam mit dem Landwirt legt Berater Jens Rückert fest, um wie viel Prozent etwa die Stromkosten gesenkt und die Rohstoffmenge reduziert werden soll.
Die meisten Berater haben gemeinsam, dass sie sich vor Ort die Aggregate der Anlage anschauen. Dazu kommt die Prüfung der Betriebsdaten und die Sichtung der Vollkostenrechnung. Nach Ansicht von Matthias Bäcker von der Mammut Consulting GmbH sollten Betreiber folgende Elemente und Komponenten der Anlage überprüfen:
Nach heutigem Wissensstand und praktischen Erfahrungen sollte eine Biogasanlage mindestens 95 % Auslastung erreichen. Ist dies nicht der Fall lohnt es sich genauer hinzuschauen. Mit einem Berater scheint es in vielen Fällen einfacher, die richtige Lösung für das Problem zu finden. Doch zunächst begibt sich der Betreiber auf die Suche nach der passenden Unterstützung für seine Anlage. Dabei ist die Unabhängigkeit, neben der Erfahrung des Beraters, das wichtigste Kriterium bei der Auswahl. Nötig ist es aber auch, dass der Energiewirt offen und ehrlich mit seinem Berater zusammenarbeitet.
Rouven Zietz